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Entzündeter Zahn – was jetzt zu tun ist

Entzündeter Zahn – was jetzt zu tun ist

Wenn ein Zahn entzündet ist, brauchen Sie zuerst eine Einordnung und keine Definition. Diese Seite beantwortet deshalb drei Fragen in dieser Reihenfolge: Muss ich sofort in eine Klinik? Welche der drei möglichen Entzündungen habe ich vermutlich? Und was hilft in den Stunden bis zum Termin. Zur Beruhigung vorweg: Die S3-Leitlinie „Odontogene Infektionen" der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde hält in ihrer Zusammenfassung fest, dass eine Entzündung ohne Ausbreitungstendenz bei fehlenden allgemeinen Risikofaktoren in der Regel ambulant und ohne Antibiotikum behandelt werden kann. Der weitaus größere Teil der Fälle gehört in diese Gruppe. Der nächste Abschnitt nennt die Zeichen, an denen die Leitlinie den kleineren Teil erkennt. Was eine Zahnentzündung medizinisch ist, wie sie entsteht und wie man ihr vorbeugt, steht ausführlich auf unserer Seite zur Zahnentzündung; hier geht es um das Handeln.
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Die kurze Antwort

Schwellung mit Schluckbeschwerden, Atemnot, Fieber oder klemmendem Kiefer: sofort in die Klinik. Sonst zählt die zahnärztliche Behandlung binnen 1 bis 2 Tagen – Ibuprofen 400 mg überbrückt sie nur.

Zeichen, die für eine Ausbreitung der Entzündung sprechen
Mundöffnungseinschränkung, Druckschmerz am Kiefer- oder Augenwinkel, äußere Schwellung, Schluckbeschwerden oder Atemnot oder angehobener Mundboden, kloßige Sprache, Fieber
Chirurgische Entlastung bei Ausbreitungstendenz
umgehend; Regelfall ohne Ausbreitungstendenz: ambulant, ohne systemisches Antibiotikum
Zeitfenster bis zur ursächlichen zahnärztlichen Behandlung
1 bis 2 Tage
Antibiotikum bei örtlich begrenzter Infektion, aus der Eiter abfließt
soll unterbleiben; eine alleinige Antibiotikatherapie ist nur in Ausnahmefällen angezeigt
Rezeptfreier Rahmen für Ibuprofen in Deutschland
bis 400 mg je Einzeldosis, bis 1.200 mg Tagesdosis; NNT 2,5 (95 % KI 2,4–2,6)
Zahnärztlicher Notdienst in Berlin, Wochenende und Feiertage
je Verwaltungsbezirk 9 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr, Ansage 030 89004-333; Schmerzbehandlung für gesetzlich Versicherte bei Vorlage der eGK 0 Euro

Ersetzt keine individuelle zahnärztliche Beratung; Medikamente ärztlich abstimmen.

Diese sechs Zeichen gehören sofort in eine Klinik

Die folgenden sechs Zeichen nennt die S3-Leitlinie „Odontogene Infektionen" (AWMF-Registernummer 007-006) als Hinweise darauf, dass sich die Entzündung über den Zahn hinaus ausbreitet. Die Empfehlung wurde in der Leitliniengruppe einstimmig verabschiedet, mit 17 von 17 Stimmen. Trifft eines davon zu, gehört der Fall in eine Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie oder in eine Notaufnahme und nicht in die nächste Sprechstunde. In Berlin ist das nachts und am Wochenende die Rettungsstelle; die Feuerwehr erreichen Sie unter 112, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Für die Entlastung solcher Infektionen gilt in derselben Leitlinie die stärkste Empfehlungsstufe: Sie soll umgehend erfolgen.
Schluckbeschwerden oder Atemnot
Die Leitlinie führt „Schluckbeschwerden/ Atemnot/ angehobener Mundboden" als eine Gruppe. Wenn Schlucken schwerfällt, sich der Hals eng anfühlt oder der Mundboden angehoben wirkt, kann die Schwellung die Atemwege bedrängen. Das ist der dringlichste der sechs Punkte.
Der Mund lässt sich nicht mehr weit öffnen
Fachlich heißt das Kieferklemme. Die Leitlinie nennt die Mundöffnungseinschränkung an erster Stelle und führt die Messung der Mundöffnung als möglichen Verlaufsparameter, um den Verlauf der Infektion abzubilden. Eine Zahl, ab wie vielen Millimetern die Grenze liegt, nennt sie nicht.
Kloßige Sprache
Klingt die Stimme belegt, als hätte man etwas im Mund, spricht das für eine Schwellung im Rachenraum. Die Leitlinie führt die kloßige Sprache als eigenes Zeichen der Ausbreitung.
Schwellung von außen sichtbar
Entscheidend ist die Prüffrage der Leitlinie: Ist der Unterkieferrand noch durchtastbar? Wenn nicht, hat die Schwellung die Weichgewebsräume erreicht. Eine sichtbare Schwellung allein ist noch kein Notfall, in Kombination mit den anderen Zeichen aber ein Alarmsignal.
Druckschmerz am Kieferwinkel oder am inneren Augenwinkel
Die Leitlinie nennt beide Druckpunkte ausdrücklich, den inneren Augenwinkel mit dem Zusatz „V. angularis". Dort verläuft eine Vene, über die sich eine Entzündung aus dem Oberkiefer in Richtung Auge ausbreiten kann.
Fieber und Krankheitsgefühl
Fieber steht in der Leitlinie zusammen mit Exsikkose, also Austrocknung, in einer Zeile. Zur Verlaufskontrolle nennt sie die Kontrolle der Körpertemperatur neben der Messung der Mundöffnung und den Entzündungswerten im Blut. Einen Temperaturgrenzwert nennt die Leitlinie nicht.
Drei Entzündungen, drei verschiedene Schmerzen

Drei Entzündungen, drei verschiedene Schmerzen

Hinter „entzündeter Zahn" stecken in aller Regel drei verschiedene Zustände, und sie fühlen sich unterschiedlich an. Die Unterscheidung ist keine Wortklauberei, sondern entscheidet über die Dringlichkeit und über die Behandlung. Im ersten Zustand ist der Zahnnerv entzündet, aber noch am Leben; das heißt Pulpitis. Im zweiten ist der Nerv abgestorben und die Entzündung durch die Wurzelspitze in den Knochen gewandert; das heißt apikale Parodontitis, apikal bedeutet an der Wurzelspitze. Im dritten hat sich Eiter angesammelt und einen Hohlraum gebildet; das ist der Abszess. Die S3-Leitlinie „Odontogene Infektionen" beschreibt den Übergang vom ersten zum zweiten Zustand mit einem einzigen klinischen Satz: Bei der akuten apikalen Parodontitis steht die Aufbissempfindlichkeit im Vordergrund, bei in der Regel negativem Sensibilitätstest des betreffenden Zahnes. Übersetzt heißt das: Solange der Zahn auf Kälte reagiert, lebt der Nerv noch. Sobald das Aufbeißen wehtut und der Kältetest nichts mehr auslöst, ist die Entzündung eine Etage tiefer angekommen. Die europäische Fachgesellschaft für Endodontie empfiehlt in ihrer S3-Leitlinie von 2023 für genau diese Einordnung den Kältetest, gegebenenfalls ergänzt um einen elektrischen Test, und dazu die Zusammenschau von Schmerzgeschichte und Befund: ob Schmerz besteht, ob er früher schon einmal bestand, ob er von selbst kommt, ob der Zahn auf Klopfen reagiert und ob Wärme Schmerz auslöst. Für die apikale Parodontitis empfiehlt dieselbe Leitlinie mit starker Empfehlung ein Röntgenbild. Der nächste Abschnitt ordnet die drei Bilder den Beschwerden zu, die Betroffene typischerweise schildern.

Welches Bild passt zu Ihren Beschwerden

Diese Zuordnung ersetzt keine Untersuchung — die Fachliteratur beschreibt den Zahnschmerz ausdrücklich als schlecht lokalisierbar, weil in der Pulpa keine Fasern für die Ortung sitzen. Der eigene Verdacht ist deshalb regelmäßig um einen Zahn oder um einen Kiefer daneben. Für die Frage, wie eilig es ist, reicht die Zuordnung trotzdem.
Kälte tut weh, der Schmerz klingt nach Sekunden wieder ab
Das ist das Bild der reversiblen Pulpitis. Die Fachliteratur beschreibt sie als scharfen, einschießenden Schmerz von kurzer Dauer, ausgelöst durch Kälte; lindern lässt er sich durch nichts, er hört von selbst auf, sobald der Reiz weg ist. In diesem Stadium kann der Nerv oft erhalten werden. Ein Termin in den nächsten Tagen genügt meist.
Der Schmerz kommt von selbst, pocht dumpf und hält an
Das ist das Bild der irreversiblen Pulpitis. Die amerikanische Zahnärztevereinigung definiert sie als Spontanschmerz, der nach einem Temperaturreiz nachhängt, bei einem noch lebenden, aber nicht mehr heilungsfähigen Nerv. Kaltes Wasser lindert hier oft, statt zu verschlimmern. Hier hilft nur die Behandlung, und die sollte innerhalb von ein bis zwei Tagen stattfinden.
Aufbeißen tut weh, der Zahn fühlt sich zu hoch an
Das ist das Bild der apikalen Parodontitis. Die Definition der amerikanischen Leitlinie: Schmerz beim Kauen, beim Klopfen oder beim Betasten, mit oder ohne Befund im Röntgenbild, und ohne Schwellung. Dieser Zahn ist gut lokalisierbar, weil im Zahnhalteapparat die Fasern für die Ortung sitzen. Ab hier wird es zeitkritisch.
Eine Schwellung, Druckgefühl, vielleicht ein Bläschen am Zahnfleisch
Das ist das Bild des örtlich begrenzten Abszesses: Spontanschmerz, Eiterbildung und eine örtliche Schwellung, aber ohne Beteiligung der Weichgewebsräume, ohne Lymphknotenschwellung, ohne Fieber und ohne Krankheitsgefühl. Kommt eines dieser vier Dinge dazu, ist es kein örtlich begrenzter Abszess mehr, sondern der Fall aus Abschnitt zwei.
Gar nichts tut weh, aber im Röntgenbild ist etwas zu sehen
Auch das gibt es. Die S3-Leitlinie hält fest, dass die chronische apikale Parodontitis durch das Fehlen der klinischen Symptomatik nur radiologisch verifiziert werden kann. Ein abgestorbener Nerv kann jahrelang stumm bleiben. Deshalb ist Schmerzfreiheit nach einer schmerzhaften Phase kein Beweis für Ausheilung.
Die Stunden bis zum Termin überbrücken

Die Stunden bis zum Termin überbrücken

Vorweg das Wichtigste: Nichts von dem, was hier steht, behandelt die Ursache. Ein Schmerzmittel wirkt gegen den Schmerz, nicht gegen die Entzündung im Wurzelkanal, und eine abgestorbene Pulpa hat keine Blutversorgung mehr, über die ein Wirkstoff oder das eigene Immunsystem sie überhaupt erreichen könnte. Zur Wahl des Mittels gibt es belastbare Zahlen. Eine Cochrane-Übersicht, die die Daten aus zehn Cochrane-Übersichtsarbeiten und einer weiteren systematischen Übersicht zusammenführt, hat für 21 rezeptfreie Schmerzmittel und Dosierungen die Number needed to treat berechnet, also die Zahl der Behandelten, von denen einer mindestens die Hälfte seiner Schmerzen für vier bis sechs Stunden verliert, die er ohne das Mittel behalten hätte. Das zugrunde liegende Schmerzmodell ist der Schmerz nach einem operativen Eingriff, überwiegend nach der Entfernung von Weisheitszähnen. Für Ibuprofen 400 Milligramm liegt dieser Wert bei 2,5 aus 51 Studien mit 5.604 Teilnehmenden, für Paracetamol 1.000 Milligramm bei 3,6 aus 28 Studien mit 3.232 Teilnehmenden. Im rezeptfreien Rahmen bleibt Ibuprofen in Deutschland bis zu einer Einzeldosis von 400 Milligramm und einer Tagesdosis von 1.200 Milligramm; das steht in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung. Ibuprofen 600 Milligramm ist verschreibungspflichtig. Ob ein Schmerzmittel für Sie infrage kommt, hängt von Vorerkrankungen, einer Schwangerschaft und anderen Medikamenten ab — das klärt die Packungsbeilage, Ihre Apotheke oder die behandelnde Zahnärztin, nicht eine Website. Kühlen hilft zusätzlich: Die S3-Leitlinie zu odontogenen Infektionen nennt das Kühlen des infizierten Bereichs als unterstützende Maßnahme, unter der Schwellung und Kieferklemme zurückgehen. Die Anwendung beschreibt die Fachliteratur so: ein Kältepack oder Eis in ein sauberes Tuch gewickelt, von außen auf die Haut, 15 bis 20 Minuten, dann mindestens 20 Minuten Pause, damit die Haut keinen Kälteschaden nimmt. Nicht direkt mit Eis auf die Haut und nicht innen im Mund.

Was Sie jetzt bitte nicht tun

Die folgenden fünf Punkte sind keine Ratschläge aus zweiter Hand, sondern jeweils an eine Quelle gebunden. Zwei davon widersprechen dem, was man häufig liest.
Keine Wärme auf die Wange
Wärme wirkt genau andersherum als Kälte: Sie weitet die Gefäße. Die Fachliteratur formuliert die Einschränkung eindeutig — Wärmeanwendungen sind bei akuten Infektionen und aktiver Entzündung zu vermeiden, weil sie die Schwellung verschlimmern und die Ausbreitung der Infektion begünstigen können. Das gilt auch für Kirschkernkissen und heiße Umschläge.
Keine Restantibiotika aus der Schublade
Die S3-Leitlinie hält fest, dass eine alleinige Antibiotikatherapie bei einer akuten odontogenen Infektion nur in Ausnahmefällen angezeigt ist und zu einer Chronifizierung der Infektion führen kann. Ein angefangenes Antibiotikum ohne Behandlung der Ursache kann den Verlauf also verschleppen statt beenden. Welches Mittel wann sinnvoll ist, steht weiter unten.
Den Abszess nicht selbst öffnen
Die Leitlinie beschreibt die Entlastung als chirurgischen Eingriff unter örtlicher Betäubung, mit Einlage einer Drainage, die flach eingebracht und die Wunde gerade nicht tamponieren soll, und mit Kontrollen, bei denen die Drainage spätestens jeden zweiten bis dritten Tag gewechselt wird. Nichts davon lässt sich zu Hause herstellen.
Eine Dauermedikation mit Acetylsalicylsäure nicht eigenmächtig absetzen
Wer nach einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder einem vergleichbaren Ereignis dauerhaft niedrig dosierte Acetylsalicylsäure einnimmt — die Leitlinie spricht von Sekundärprophylaxe —, setzt sie vor einem zahnärztlichen Eingriff nicht ab. Die S3-Leitlinie 083-018 spricht dafür die stärkste Empfehlung aus und begründet sie damit, dass das Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses beim Absetzen um das Dreifache steigt. Sagen Sie uns einfach vorher, was Sie einnehmen.
Kindern kein Acetylsalicylsäure-Präparat geben
Bei Kindern ist Acetylsalicylsäure als Schmerzmittel wegen des Risikos eines Reye-Syndroms zu meiden; die Fachliteratur zur zahnärztlichen Schmerztherapie nennt stattdessen Paracetamol und Ibuprofen als Mittel der ersten Wahl im Kindesalter.

Antibiotikum: wann es hilft und wann nicht

Ein Antibiotikum wirkt über die Blutbahn. Genau dorthin reicht die Blutbahn bei einem abgestorbenen Zahnnerv nicht mehr, denn der Wurzelkanal ist von der Versorgung abgeschnitten. Deshalb steht in der S3-Leitlinie „Odontogene Infektionen" die stärkste Empfehlungsstufe hinter einem Satz, den viele überrascht: Handelt es sich um eine örtlich begrenzte odontogene Infektion ohne Ausbreitungstendenz und entleert sich Eiter, soll auf eine Antibiotikatherapie verzichtet werden, wenn keine allgemeinmedizinischen Risikofaktoren bestehen. Die Behandlung besteht in diesem Fall aus Entlastung und Beseitigung der Ursache. Die Leitlinie der American Dental Association von 2019 kommt für die Pulpitis zum gleichen Ergebnis und formuliert es als starke Empfehlung: bei symptomatischer irreversibler Pulpitis mit oder ohne apikale Parodontitis kein orales Antibiotikum, sondern zügige zahnärztliche Behandlung. Auch die Cochrane-Übersichten zu diesem Thema finden keine belastbare Evidenz für einen Nutzen. Umgekehrt gilt: Zeigt die Entzündung Ausbreitungstendenz, sollten Patientinnen und Patienten nach derselben deutschen Leitlinie stationär überwacht werden und zusätzlich zur chirurgischen Therapie unverzüglich ein Antibiotikum erhalten — das ist dort eine Empfehlung des mittleren Grades, nicht die stärkste. Als Wirkstoffe der ersten Wahl nennt sie Penicillin oder Amoxicillin, bei bekannter Penicillinallergie Clindamycin — beide sind in Deutschland verschreibungspflichtig, eine Dosierung gehört auf das Rezept und nicht auf eine Website. Welche Zeichen für eine Ausbreitung sprechen, steht oben in Abschnitt zwei; die Wirkdauer, die Auswahl und das Vorgehen bei Nichtansprechen behandelt unsere Seite zu Antibiotika bei Zahnwurzelentzündung.

Wenn die Betäubung nicht richtig wirkt

Die Sorge, dass die Spritze bei einem entzündeten Zahn nicht anschlägt, ist berechtigt und gut untersucht. Eine Netzwerk-Metaanalyse aus 28 randomisierten Studien, 2025 im International Endodontic Journal erschienen, nennt in ihrer Einleitung eine Rate unzureichender Betäubung von 43 bis 83 Prozent bei Unterkiefer-Backenzähnen mit schmerzhafter irreversibler Pulpitis und eine achtfach höhere Versagensrate gegenüber Zähnen ohne Pulpitis. Die Gründe sind bekannt: Entzündungsbotenstoffe machen die Schmerzfasern empfindlicher, das saure Milieu im entzündeten Gewebe erschwert das Eindringen des Betäubungsmittels, die Gefäße sind erweitert, und die Nervenfasern bilden vermehrt Natriumkanäle, die auf örtliche Betäubungsmittel schlechter ansprechen. Wichtig ist, was dieselbe Analyse als Antwort darauf zeigt: Zusätzliche Injektionen neben der Leitungsanästhesie verbessern den Erfolg deutlich — als Zusatzinjektion nach ausbleibender Wirkung mit einem relativen Risiko von 2,02 und als von vornherein kombinierte Technik mit 1,86, jeweils gegenüber der alleinigen Leitungsanästhesie. Zu den Techniken zählen die Infiltration von der Wangenseite und von der Zungenseite sowie die intraligamentäre Injektion direkt in den Zahnhalteapparat. Praktisch heißt das: Ein entzündeter Zahn ist kein Grund, den Termin zu verschieben, aber ein Grund, es beim Termin anzusprechen. Sagen Sie es bitte, sobald Sie beim Test noch etwas spüren, statt es auszuhalten. Ausführlich steht das auf unserer Seite zum entzündeten Zahn, bei dem die Betäubung nicht wirkt.
Was in der ersten Sitzung passiert

Was in der ersten Sitzung passiert

Die S3-Leitlinie beschreibt das Vorgehen bei einer örtlich begrenzten Infektion in zwei Schritten, und beide tragen die stärkste Empfehlungsstufe des Expertenkonsenses: Die Behandlung soll aus Drainage bestehen — also Trepanation, Inzision oder Reinigung der Zahnfleischtasche — und aus der Beseitigung der Ursache. Trepanation heißt, dass der Zahn oben geöffnet wird, damit der Druck entweicht; das ist meist der Moment, in dem der Schmerz nachlässt. Bei einem Abszess wird der Eiter über einen kleinen Schnitt entlastet und eine Drainage eingelegt, die die Wunde offen hält, ohne sie zu verstopfen. Ist der Zahn erhaltungswürdig und der Nerv noch entzündet, ist im Anfangsstadium die Wurzelkanalbehandlung die ursächliche Behandlung; die Leitlinie verweist dafür auf die Richtlinien der europäischen Fachgesellschaft für Endodontie. Ein Punkt widerspricht einer verbreiteten Vorstellung: Ein Offenlassen des betroffenen erhaltungswürdigen Zahnes ist nach der Leitlinie zu vermeiden. Ist der Zahn nicht erhaltungswürdig, kann er bis zur Entfernung offengelassen werden. Erst nach der Beseitigung der Ursache ist die Behandlung abgeschlossen; findet sie in einem zweiten Eingriff statt, sollte darüber bereits bei der ersten Behandlung aufgeklärt werden. Für die Nachsorge nennt die Leitlinie kurze Abstände und den Wechsel der Drainage spätestens jeden zweiten bis dritten Tag. Wie eine Wurzelbehandlung im Einzelnen abläuft, steht auf unserer Seite zur Wurzelbehandlung bei Entzündung.

Akut in Berlin: wohin am Wochenende, wohin nachts

Der zahnärztliche Notdienst ist in Berlin keine Privatsache einzelner Praxen, sondern organisiert. Der Sicherstellungsauftrag umfasst nach § 75 Abs. 1b SGB V ausdrücklich auch die Versorgung zu den sprechstundenfreien Zeiten. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Berlin teilt dafür an Samstagen, Sonntagen, Feier- und Brückentagen pro Verwaltungsbezirk eine Praxis für vormittags von 9 bis 12 Uhr und eine für nachmittags von 15 bis 18 Uhr ein; welche das gerade ist, sagt die Ansage unter 030 89004-333 oder die Notdienstsuche der KZV Berlin. Zusätzlich hält die Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde des CharitéCentrums 3 in der Aßmannshauser Straße 4–6 in Berlin-Wilmersdorf montags bis freitags von 17 bis 21 Uhr, samstags von 17 bis 1 Uhr sowie sonntags und feiertags von 13:30 bis 21:30 Uhr Notdienst, Telefon 030 45066-2613. Zur Kostenfrage schreibt die KZV Berlin klar: Die Schmerzbehandlung im Notdienst ist für gesetzlich Krankenversicherte grundsätzlich kostenlos, sofern die elektronische Gesundheitskarte vorgelegt wird; Kosten können entstehen, wenn zusätzlich Zahnersatzleistungen anfallen. Auch der Zuschlag für Behandlungen bei Nacht — der BEMA definiert Nacht als 20 bis 8 Uhr —, an Sonn- und Feiertagen ist eine Kassenleistung und keine Rechnung an Sie. Für privat Versicherte gilt eine eigene Schutzregel: Nach § 2 Abs. 1 Satz 3 der Gebührenordnung für Zahnärzte dürfen Notfall- und akute Schmerzbehandlungen nicht von einer Honorarvereinbarung abhängig gemacht werden. Und die Berufsordnung der Zahnärztekammer Berlin verbietet in § 9 Abs. 2, die Behandlung eines Notfallpatienten von einer Vorauszahlung abhängig zu machen; § 12 Abs. 1 verpflichtet niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte in Berlin grundsätzlich zur Teilnahme am Notfalldienst. Bei den sechs Zeichen aus Abschnitt zwei ist allerdings nicht der zahnärztliche Notdienst zuständig, sondern die Rettungsstelle: Feuerwehr 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117.

Was die Schmerzbehandlung kostet

Für gesetzlich Versicherte ist die Schmerzbehandlung eine Kassenleistung. Abgerechnet wird nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen, kurz BEMA, der Anlage A zum Bundesmantelvertrag – Zahnärzte ist und auf § 87 SGB V beruht. Dort stehen die Positionen einer Schmerzsitzung mit ihren Bewertungszahlen: die eingehende Untersuchung mit 18, die Trepanation eines pulpatoten Zahnes mit 11, die Eröffnung eines oberflächlichen Abszesses mit 15, die Aufbereitung des Wurzelkanalsystems je Kanal mit 29 und die medikamentöse Einlage mit 15. Diese Zahlen sind ausdrücklich keine Euro-Beträge; was ein Punkt wert ist, vereinbaren die Kassenzahnärztliche Vereinigung Berlin und die Krankenkassen im Gesamtvertrag (§ 85 Abs. 2 SGB V). Für Sie ändert das nichts, denn Sie zahlen dafür nichts. Privat wird nach der Gebührenordnung für Zahnärzte abgerechnet, und dort lässt sich jeder Betrag herleiten: Gebühr gleich Punktzahl mal Punktwert mal Steigerungssatz, wobei der Punktwert nach § 5 Abs. 1 GOZ 5,62421 Cent beträgt und die Punktzahlen in Anlage 1 stehen. Die Trepanation eines Zahnes ist dort mit 65 Punkten bewertet und kostet zum 2,3-fachen Satz 8,41 Euro, die Leitungsanästhesie mit 70 Punkten 9,05 Euro, die Vitalitätsprüfung mit 50 Punkten 6,47 Euro und die eingehende Untersuchung mit 100 Punkten 12,94 Euro. Zum Steigerungssatz: § 5 Abs. 1 Satz 1 GOZ steckt den Rahmen vom Einfachen bis zum Dreieinhalbfachen ab; der 2,3-fache Satz bildet nach § 5 Abs. 2 Satz 4 GOZ die durchschnittliche Leistung ab und ist der Regelfall. Ein höherer Satz ist nur zulässig, wenn Besonderheiten in Schwierigkeit, Zeitaufwand oder Umständen dies rechtfertigen, und ist nach § 10 Abs. 3 Satz 1 GOZ auf der Rechnung für die einzelne Leistung verständlich und nachvollziehbar schriftlich zu begründen; unterdurchschnittliche Leistungen sind umgekehrt niedriger zu berechnen. Über dem 3,5-fachen Satz ist eine Abrechnung nur über eine schriftliche Vereinbarung nach § 2 Abs. 1 und 2 GOZ möglich, die vor der Behandlung nach persönlicher Absprache im Einzelfall zu treffen ist und Nummer und Bezeichnung der Leistung, den Steigerungssatz, den Betrag und den Hinweis enthalten muss, dass die Erstattung möglicherweise nicht vollständig gewährleistet ist. Für diese Seite ist vor allem eine Grenze wichtig: Notfall- und akute Schmerzbehandlungen dürfen nach § 2 Abs. 1 Satz 3 GOZ nicht von einer solchen Vereinbarung abhängig gemacht werden. Eine dringende Behandlung hängt also nie daran, dass Sie vorher etwas unterschreiben.
Kurz zur Einordnung: Ursachen und Vorbeugung

Kurz zur Einordnung: Ursachen und Vorbeugung

Odontogene Infektionen entstehen durch bakterielle Entzündungen, die vom Zahn oder vom Zahnhalteapparat ausgehen; als mögliche Ursachen listet die S3-Leitlinie unter anderem tiefe Karies, Pulpitis und Pulpanekrose, Parodontitis, Periimplantitis sowie verlagerte und retinierte Zähne, und sie hält fest, dass nicht abgeschlossene Wurzelkanalbehandlungen und tiefe Karies das Risiko steigern. Am häufigsten gehen sie von den großen Backenzähnen aus, im Unterkiefer öfter als im Oberkiefer. Alles Weitere zu Entstehung, Verlauf und Vorbeugung — einschließlich der Frage, was Zähneputzen, Zahnseide und Kontrolltermine tatsächlich ausrichten — steht auf unserer Seite zur Zahnentzündung, damit es hier nicht zweimal steht.

Ihre Zahnarztpraxis in Berlin – Standorte

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Notfall im Sinne der S3-Leitlinie „Odontogene Infektionen" ist eine Entzündung mit Ausbreitungstendenz. Ihre sechs Zeichen sind Mundöffnungseinschränkung, Druckschmerz am Kiefer- oder Augenwinkel, äußere Schwellung mit nicht mehr durchtastbarem Unterkieferrand, Schluckbeschwerden oder Atemnot oder angehobener Mundboden, kloßige Sprache und Fieber. Dann soll die chirurgische Entlastung umgehend erfolgen — das ist die stärkste Empfehlungsstufe der Leitlinie. Ohne diese Zeichen ist die Sache dringlich, aber nicht lebensbedrohlich; die amerikanische Leitlinie nennt als Zielgröße eine ursächliche Behandlung innerhalb von ein bis zwei Tagen.
Weil das entzündete Gewebe sauer ist und das Betäubungsmittel schlechter eindringt, weil Entzündungsbotenstoffe die Schmerzfasern empfindlicher machen und weil die Nervenfasern vermehrt Natriumkanäle bilden, die auf örtliche Betäubungsmittel weniger ansprechen. Die Zahlen dazu: 43 bis 83 Prozent unzureichende Betäubung bei entzündeten Unterkiefer-Backenzähnen, achtfach höhere Versagensrate gegenüber Zähnen ohne Pulpitis. Zusätzliche Injektionen — von der Wangenseite, von der Zungenseite oder intraligamentär — verbessern den Erfolg in der Metaanalyse aus 28 Studien um den Faktor 1,86 bis 2,02.
Ein Schmerzmittel wirkt gegen den Schmerz, nicht gegen die Ursache. Wenn die gewohnte Dosis nicht mehr trägt, spricht das dafür, dass die Entzündung fortgeschritten ist — von der reversiblen zur irreversiblen Pulpitis oder weiter zur apikalen Parodontitis. Nachdosieren ist dann die falsche Antwort: Der rezeptfreie Rahmen liegt in Deutschland bei 400 Milligramm je Einzeldosis und 1.200 Milligramm am Tag (Anlage 1 AMVV), und darüber hinaus braucht es keine höhere Dosis, sondern einen Termin.
Zuerst die Einordnung: Untersuchung, Kältetest, Klopftest, meist ein Röntgenbild — die europäische Leitlinie von 2023 empfiehlt für die apikale Parodontitis ausdrücklich ein Röntgenbild. Dann die Entlastung: Öffnen des Zahnes, Entlastung eines Abszesses über einen kleinen Schnitt mit Drainage oder Reinigung der Zahnfleischtasche. Und schließlich die Ursache, entweder in derselben Sitzung oder in einem zweiten Termin, über den nach der Leitlinie schon beim ersten aufgeklärt werden sollte.
Für gesetzlich Versicherte schreibt die Kassenzahnärztliche Vereinigung Berlin: Die Schmerzbehandlung im Notdienst ist grundsätzlich kostenlos, sofern die elektronische Gesundheitskarte vorgelegt wird. Kosten können entstehen, wenn zusätzlich Zahnersatzleistungen anfallen, etwa eine Reparatur oder das Wiederbefestigen einer Krone. Für privat Versicherte gilt § 2 Abs. 1 Satz 3 GOZ: Eine Notfall- oder akute Schmerzbehandlung darf nicht von einer Honorarvereinbarung abhängig gemacht werden. Und nach § 9 Abs. 2 der Berufsordnung der Zahnärztekammer Berlin darf die Behandlung eines Notfallpatienten nicht von einer Vorauszahlung abhängen.

Das sagen unsere Patienten

Ich habe mein erstes Implantat bekommen. Die Behandlung war absolut schmerzfrei und ich wurde super gut behandelt. Der Doktor und das Team nehmen sich Zeit und erklären alles was sie machen. Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt und kann diese Praxis wärmstens weiterempfehlen. Vielen lieben Dank!

Busta MoveBewertet auf Google

Ich bin seit 2020 Patient. Meine Anliegen konnte ich sehr gut mit Herrn Paetz und dem Team besprechen und meine Fragen konnten beantwortet werden. Handwerklich wahrscheinlich einer der besten Praxen Berlins.

Bartek StawiszynskiBewertet auf Google

Ich, als absoluter Angst Patient muss sagen, tolles Team. Sehr schnell ein Termin bekommen, mein Zahn Problem, war in kürzester Zeit vorbei und mit der Lachgas Therapie war es erträglich.

Dave WBewertet auf Google

Ich hatte eine Prophylaxe bei Frau Kern. Als Angstpatientin fühlte ich mich sehr gut aufgehoben. Absolut kompetent, empathisch und behutsam. Die Praxis ist perfekt für Angstpatienten.

Nina IffländerBewertet auf Google

Ich bin die klassische Angstpatientin und diese Praxis hat es geschafft, mich etwas aus meinem Trauma herauszuholen. Die Schwestern sind so bemüht und die Ärztinnen super einfühlsam.

Saskia ReicheBewertet auf Google

Sehr freundlicher Tresen, keine Wartezeit und äußerst kompetente Zahnärztin. Vor allem habe ich geschätzt, dass mir keine Behandlung aufgedrängt wurde. Ich bin begeistert!

Andrea GerischerBewertet auf Google

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Medizinisch geprüft von Martin Paetz, Leitender Zahnarzt mit dem Schwerpunkt Chirurgie & Gründer von Wunschlachen — geprüft am 20.08.2026