Zahnfleischtaschen: Was Tiefe und PSI-Befund bedeuten
Zahnfleischtaschen sind vertiefte Spalten zwischen Zahn und Zahnfleisch. Sie können auf eine Entzündung des Zahnhalteapparats hinweisen. Ob tatsächlich eine Parodontitis vorliegt, lässt sich jedoch nicht an einer einzelnen Millimeterzahl ablesen. Zur Einordnung gehören die Messung, Blutungszeichen, der Zustand des Zahnhalteapparats und gegebenenfalls Röntgenbilder.
Wenn bei Ihrer Untersuchung „vier Millimeter“ oder „PSI-Code 3“ genannt wurde, hilft vor allem die Frage: Was wurde an welcher Stelle festgestellt, und welche Untersuchung folgt daraus? Dieser Ratgeber erklärt den Befund. Den ausführlichen Behandlungsablauf finden Sie unter Parodontitisbehandlung.
Wie entstehen Zahnfleischtaschen?
Auch gesundes Zahnfleisch liegt nicht überall lückenlos am Zahn an. Am Zahnfleischrand gibt es einen schmalen Spalt, dessen Tiefe in der Praxis geprüft werden kann. Entzündet sich das Zahnfleisch, kann es anschwellen und leichter bluten. Bei einer Parodontitis werden zusätzlich Haltefasern und Knochen geschädigt. Dadurch kann sich der Spalt entlang der Zahnwurzel vertiefen.
Eine Zahnfleischentzündung und eine Parodontitis sind deshalb unterschiedliche Befunde. Die Entzündung des Zahnfleischs allein beweist keinen Knochenabbau. Umgekehrt kann eine Parodontitis lange ohne auffällige Schmerzen verlaufen. Ein Blick in den Spiegel reicht zur Unterscheidung nicht aus. Rötung, wiederholtes Bluten, anhaltender Mundgeruch oder lockere Zähne sind Gründe für eine Untersuchung. Die DG PARO beschreibt diese Unterschiede und Warnzeichen.
Wie wird die Tiefe gemessen?
Die Zahnärztin oder der Zahnarzt führt eine feine, stumpfe Messsonde vorsichtig am Zahn entlang in den Spalt. Abgelesen wird der Abstand vom Zahnfleischrand bis zum erreichbaren Grund. Das Ergebnis heißt Sondierungstiefe. Zugleich wird beobachtet, ob das Gewebe bei der Messung blutet und ob feste Ablagerungen oder auffällige Ränder vorhanden sind.
Ein kurzer Screening-Befund und eine ausführliche Taschenmessung sind nicht dasselbe. Beim Screening geht es um einen Überblick. Für die genauere Abklärung werden die Befunde an mehreren Stellen dokumentiert und mit weiteren Untersuchungen zusammengeführt. So lässt sich beispielsweise erkennen, ob nur eine Stelle oder mehrere Bereiche betroffen sind.
Die PSI-Erhebung dauert meist nur wenige Minuten. Entzündete Stellen können empfindlich sein. Sagen Sie vor der Messung, wenn Sie Schmerzen haben oder eine Berührung schlecht aushalten. Sie müssen einen Messwert weder erraten noch selbst mit einem Gegenstand überprüfen.
Was bedeuten die Millimeterwerte?
Die folgende Tabelle zeigt die Tiefenbereiche, die beim PSI verwendet werden. Sie ist eine Orientierung für den schriftlichen Befund, keine Anleitung zur Selbstdiagnose.
| Sondierungstiefe beim PSI | Einordnung |
|---|---|
| Unter 3,5 mm | Je nach Blutung und Ablagerungen ist Code 0, 1 oder 2 möglich. |
| 3,5 bis 5,5 mm | Code 3: Eine weiterführende Untersuchung ist angezeigt. |
| Über 5,5 mm | Code 4: Der Parodontalbefund muss genauer erhoben werden. |
Ein Wert von vier Millimetern fällt somit in den Bereich von Code 3. Er sagt allein weder aus, wie viel Knochen verloren gegangen ist, noch welche Behandlung erforderlich ist. Auch ein niedriger Messwert bedeutet bei Blutung nicht automatisch gesundes Zahnfleisch. Entscheidend ist die gemeinsame Bewertung der Befunde. Die Tiefenmarkierungen erläutert der PSI-Ratgeber der DG PARO.
Was sagen die PSI-Codes 0 bis 4 aus?
PSI steht für Parodontaler Screening Index. Das Gebiss wird für diesen Überblick in sechs Bereiche eingeteilt. Für jeden Bereich wird der höchste dort gefundene Code festgehalten. Die Zahl bezeichnet also nicht einfach den Zustand eines einzelnen Zahns.
| Code | Bedeutung des Screening-Ergebnisses |
|---|---|
| 0 | Kein auffälliger Befund nach den Screening-Kriterien; regelmäßige Kontrolle bleibt sinnvoll. |
| 1 | Blutung bei der Untersuchung als Hinweis auf eine Zahnfleischentzündung. |
| 2 | Zahnstein oder auffällige Füllungs- beziehungsweise Kronenränder. |
| 3 | Verdacht auf Parodontitis; weitere Befunderhebung erforderlich. |
| 4 | Ebenfalls Verdacht auf Parodontitis, bei größerer gemessener Tiefe. |
Ein zusätzliches Sternchen kennzeichnet weitere Auffälligkeiten, zum Beispiel Zahnfleischrückgang oder Zahnlockerung. Lassen Sie sich erklären, was es in Ihrem Befund bedeutet. Code 3 oder 4 ist ein Anlass für Diagnostik und noch keine vollständige Diagnose. Die KZBV-Patienteninformation zum PSI beschreibt die Codes und den weiteren Untersuchungsbedarf.
So verstehen Sie Ihren Befund im Gespräch
Bitten Sie um eine Erklärung, die sich auf Ihre Zähne bezieht. Diese vier Fragen helfen, aus einer Zahl einen verständlichen nächsten Schritt zu machen:
- Welche Stellen oder Gebissbereiche waren auffällig?
- Wurde dort nur eine erhöhte Tiefe gemessen oder auch Blutung festgestellt?
- Welche zusätzliche Untersuchung brauchen wir, bevor eine Behandlung geplant wird?
- Wann sollte der Befund erneut kontrolliert werden?
Nehmen Sie vorhandene Befundunterlagen mit, wenn Sie die Praxis wechseln oder eine zweite Einschätzung wünschen. Notieren Sie Veränderungen, die Ihnen selbst aufgefallen sind. Ein Foto kann zeigen, wo das Zahnfleisch anders aussieht; es ersetzt jedoch keine Messung. Lassen Sie unbekannte Abkürzungen direkt erläutern. Eine verständliche Erklärung ist hilfreicher als der Vergleich einer einzelnen Zahl mit fremden Befunden im Internet.
Was passiert nach einem auffälligen Ergebnis?
Bei Verdacht auf Parodontitis wird genauer untersucht. Wenn sich die Erkrankung bestätigt, richtet sich die Behandlung nach dem gesamten Befund. Dazu können die Anleitung zur Mundpflege und die Entfernung von Belägen unterhalb des Zahnfleischrands gehören. Wie diese Reinigung abläuft, erklärt der Ratgeber zur Kürettage. Eine Antibiotika-Einnahme ersetzt die notwendige Behandlung nicht. Weitere Maßnahmen und Kontrollen werden individuell geplant. Grundlagen erläutern IQWiG und KZBV.
Zu Hause sollten Sie die vereinbarte Mundpflege fortsetzen, aber nicht selbst tief in eine Tasche kratzen oder spülen. Bei starken Schmerzen an einer Zahnfleischtasche, Eiter oder Schwellung braucht es eine zeitnahe Untersuchung. Ein auffälliger Befund ohne akute Beschwerden lässt sich bei einem zahnärztlichen Termin besprechen.
Häufige Fragen zu Zahnfleischtaschen
Vier Millimeter liegen im Tiefenbereich des PSI-Codes 3. Damit besteht ein Anlass zur genaueren Untersuchung. Ob eine Parodontitis vorliegt, ergibt sich aus dem vollständigen Befund, nicht aus dieser Zahl allein.
Blutung, Schwellung oder zurückgehendes Zahnfleisch können auffallen. Die Taschentiefe lässt sich zu Hause nicht zuverlässig beurteilen. Sie wird in der Praxis mit einer Messsonde ermittelt.
Das kurze Screening ist meist kaum spürbar. Entzündetes Zahnfleisch kann empfindlicher reagieren. Informieren Sie das Praxisteam vor der Messung über Schmerzen oder starke Berührungsempfindlichkeit.
Nein. Code 0 beschreibt das Screening-Ergebnis zum Untersuchungszeitpunkt. Regelmäßige Kontrollen und passende Mundpflege bleiben wichtig, auch wenn der aktuelle Befund unauffällig ist.
Nach Behandlung und Rückgang der Entzündung können die gemessenen Tiefen abnehmen. Ob das bei Ihnen erreichbar ist und welcher Befund verbleibt, muss nach der Behandlung erneut geprüft werden.
Nicht automatisch. Zunächst wird der vollständige Befund erhoben und die passende Behandlung geplant. Eine weiterführende chirurgische Behandlung kommt unter bestimmten Voraussetzungen infrage, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen.